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Falke zeig mir den Weg

Es war ein wundervoller Frühlingsmorgen. Die Sonne spiegelte sich bereits im Wasser des Mittelteiches und schien zwischen den kahlen Ästen der Bäume hindurch. Auf dem Waldboden waren die ersten grünen Spitzen des Waldes zu sehen, die in der Sonne leuchteten.

Doch der Mittelteich war nicht der einzige Teich, von dem eine Falknerei umgeben war. Am oberen Teich wohnten die Schwäne und Gänse. Der untere Teich war stark von Enten besucht. Mitten in diesem Teich war ein Meer von weißen und roten Teichrosen, welche kurz vor Ende des Sommers einen Blütenteppich entfalteten.

All diese Teiche waren von Wald umgeben, der durch den Winter noch sehr kahl war. An den Bäumen waren jedoch schon einige grüne Spitzen zu erkennen.
In der Falknerei lebte Noah, alleine mit seinem Vater. Sie hatten ein großes Gelände, was sie auch brauchten. Auf der einen Seite des Hofes waren große Käfige, in denen ein Falke, ein Adler und zwei Eulen ihr Zuhause gefunden hatten.

Während der Frühjahrs- und Sommerzeit konnte man in der Falknerei viel zu erleben. So führte Noahs Vater Erlebnistage durch. Die Besucher hatten die Möglichkeit, die Arbeit eines Falkners kennen zu lernen, einen Einblick in das Training der Tiere zu erhalten, aber auch viel über den Umgang und die Fütterung dieser Tiere zu erfahren. Immer wieder führten sie Flugvorführungen durch.

Um diese Tiere auf dem Arm tragen zu können, benötigten sowohl Noah als auch sein Vater einen speziell dafür angefertigten Handschuh, damit sie von Vögeln nicht durch ihre scharfen Greife verletzt werden.

Besonders gut kannte sich Noah bei dem Falken Marlon aus. Er war über die Jahre wie ein Freund für Marlon geworden. Noah hatte viel über diesen Falken gelernt. Die Augen des Falken sind relativ groß und durch die Augenstellung beträgt das Blickfeld eines Falken 220°. Schon manchmal wünschte sich Noah so scharfe Augen, um so eine Sichtweite zu haben wie sein Falke, damit ihm nichts entgeht. Noah war sehr wissbegierig und alles was er sah und hört, wollte er immer ganz genau wissen.

Wenn Noah den Falken auf dem Arm hatte, musste er immer sehr gut auf den Falken achten. Damit dieser nicht zu beißt. Denn sein nach unten gebogener, hakenförmiger Schnabel war sehr scharf. Da Falken tagaktive Jäger sind, konnte Noah fast täglich mit ihm trainieren.

Eines Tages war es wieder soweit. Noah ging zu seinem Falken in den Käfig, um ihn heraus zu holen. Den Handschuh hatte er bereits über gezogen und Noah hielt seinen Arm nach oben. Sofort kam der Falke angeflogen, um sich auf Noahs Arm zu setzen. Damit Marlon nicht weg fliegen konnte, befestigte Noah ihn an einer Schnur, die extra dafür vorgesehen war.

Noah wollte noch ein wenig trainieren, da für das darauf folgende Wochenende eine größere Veranstaltung geplant war. Er ging mit Marlon auf eine größere Wiese. Kurz darauf gab er Marlon ein Signal, löste die Schnur und der Falke flog nach oben und kreiste über ihm. Also Noah ihn rief kam er zurück und landete direkt auf Noahs Arm, der ihm etwas zu fressen gab und die Schnur wieder befestigt. So trainierten die beiden den ganzen Vormittag.

Nachdem das Training beendet war, bracht Noah den Falken wieder zurück in seinen Käfig und ging zu seinem Vater. Es musste noch viel vorbereitet werden. So taten sie es gemeinsam. Als alles erledigt war, hatte Noah endlich etwas Freizeit für sich. Diese nutze er oft, um in der Gegend nach verletzten Tieren zu suchen.

Um die Mittagszeit meldete sich Noah bei seinem Vater ab. „Ich geh mal schauen, ob ich irgendwo Tiere finde, die unsere Hilfe brauchen.“ sprach er. „Ja aber geh nicht so weit weg, damit du dich nicht verläufst. Und komm bitte nicht so spät zurück“

Also zog Noah los. Am Mittelteich vorbei, über den oberen Teich in den Wald hinein, wo es viel zu entdecken gab. Auf einer Lichtung des Waldes beobachtete er ein Reh, welches ein Junges hatte. Um die Tiere nicht zu erschrecken, versteckte er sich hinter einem großen Baum. Und während er da so stand, bemerkte er, dass irgend etwas an seinem Arm hinauf krabbelte. Es waren Ameisen, die sich auf ihm ihren Weg bahnten. Noah hatte nicht gesehen, dass er direkt neben einem Ameisenhaufen stand. Also schüttelte er die Ameisen ab und schlich sich leise davon.